Beagle sind keine Sofaaccessoires, sondern echte Arbeitshunde, die viel Beschäftigung für Geist und Körper wollen und brauchen.Natürlich gibts mehr oder weniger aktive Hunde,aber mit einem Spaziergang am Tag und ein bis zwei Runden zum Lösen ist es nicht getan.Dazu kommt,daß dem gesunden Beagle das Wetter ziemlich egal ist.
Also Kälte oder ein Regenguss machen ihm sicher weniger aus als uns Menschen.
Der Beagle ist ein Nasenhund, der nichts so liebt, wie die Welt zu durchschnüffeln.Kommt ihm dabei eine Spur verlockend vor und er beschließt Ihre Herkunft zu erforschen, dann kann es schnell passieren,daß sein Mensch alleine im Wald oder auf dem Feld steht.Natürlich fragt der untrainierte Beagle nicht um Erlaubnis sondern tut das, was man ihm jahrhundertelang beigebracht und angezüchtet hat.Er geht den duftigen Spuren nach.Dazu braucht ein Beagle keine Ausbildung,denn das steckt in seinen Genen.Wenn der Beagle das tut, dann folgt er seinen Instinkten und nicht den verzweifelten Rufen seines Menschen,also ist auch hier viel Training, Konsequenz, mitdenken und viel Einfühlungsvermögen gefragt.Kein Beagle geht stiften, weil er seinen Menschen ärgern will oder weil er schlichtweg unerzogen ist, sondern weil sein Verfolgerinstinkt (Ich verzichte bewußt auf das Wort Jagdtrieb,weil der Beagle nicht im Sinne von Jagen hinter einem Tier her geht) ihm das vorgibt.Viele zweifelhafte Züchter ködern ihre Käufer mit Erklärungen wie "Kaum Jagdtrieb" usw. Wie es tatsächlich um die Tribstärke steht erfährt der ahnungslose Beaglefreund spätestens, wenn der Beagle das nötige Selbstbewußtsein ausgebildet hat, um alleine loszuziehen.Da das oft erst nach mehreren Monaten der Fall sein kann,

Benny im Frühjahr 2006
wähnt man sich in Sicherheit und die Aufmerksamkeit läßt nach, wenn man seinen Beagle im Wald oder Feld ableint.Und irgendwann ist die erste Spur da und und man erkennt, wie schnell der grad so gemütlich schnüffelnde Hund durchstarten kann.
Benny hat uns mit solchen unerlaubten Ausflügen erst mit etwa 18 Monaten überrascht.Ich war es gewohnt,daß er im Wald oder Feld unangeleint lief und wir haben wie immer einen Platz aufgesucht, der etwas abgelegen im Wald lag.Wir waren sehr oft dort und ich wußte,daß dort Hasen und Rehe in großer Zahl vetreten waren.Da Benny aber nie sehr aufgeregt reagierte, ging ich davon aus, daß er meine Gesellschaft bevorzugte und ich mir keine Sorgen machen mußte. Es war im Frühjahr 2007 an einem recht unfreundlichen Tag, als Benny mir meinen Irrtum klar machte. Ich leinte ab und plötzlich klappte Bennys Nase auf den Boden und eine Millisekunde später war nichts mehr von ihm zu sehen, aber zu hören. Dem gestandenen Jäger wäre das Herz aufgegangen, wenn er Bennys Spurlaut gehört hätte. Ich habe ihn nie wieder so aufgeregt "singen" gehört, wie während dieser Minuten.Angst hatte ich keine um ihn, weil ich viel zu unerfahren war, um die Tragweite so eines "Ausflugs" einschätzen zu können. Ich ging davon aus,daß er zu mir zurückkommen würde und hoffte nur, daß es nicht zu lange dauern würde und ihm nichts unerfeuliches begegnet. Nach endlosen 70 Minuten erschien der kleine Mann mit hängender Zunge und unversehrt etwa 200m von mir entfernt am Waldrand und schaute zu mir rüber. Ich rief so nett ich konnte nach ihm und das Herz schlug mir bis zum Hals, als er freudig wedelnd angerannt kam und vor mir sitzen blieb. Ich wußte in dem Moment, daß etwas Großes vor uns liegen würde und ich nahm die Herausforderung an. Benny sollte nicht für immer an der Leine bleiben müssen und ich wollte nie wieder so lange auf ihn warten müssen. Leider wiederholte sich soetwas noch 3mal wobei die folgenden 2 "Ausflüge" eher von kürzerer Dauer und weniger spektakulär waren.2mal ging er für 25 Minuten los und einmal folgte er der Spur einer läufigen Hündin die im Dorf endete . Er fand mich nicht sofort, als er umkehrte, aber die Besitzerin dieser Hündin kam zu Hilfe und in Ihrem Schlepptau unser Benny.
Ich will nicht behaupten,daß diese Vorfälle nicht zu verhindern waren,aber wie oben beschrieben...Man wähnt sich in Sicherheit, wenn es einige Zeit gut geklappt hat und man darf die schauspielerischen Fähigkeiten eines Beagles nicht unterschätzen.Ein treuer Blick und im nächsten Monment bleibt nur eine Staubwolke und der sonst folgsame Hund geht seiner Wege.
Ich habe mir damals überlegt, wie ich mir und Benny diese Dinge erspare, ohne ihm den Spaß am Beagleleben zu nehmen. Wild hetzen kam nicht in Frage,aber ein bißchen Jagdhund sollte er bleiben. Mir kam dabei immer zugute,daß wir anfangs nahe am Wald wohnten und heute inmitten von Feldern und Wiesen mit kleinen Wäldchen zu Hause sind. Wir hatten und haben also ideale Bedingungen für unser Training . Benny lernte schnell viele Arten von Wild kennen und ich versuchte ihm soviel Freiraum wie nötig zu lassen, um seine Passion auszuleben.

Jäger gehören auf einen Hochsitz und Benny fand die Aussicht
mindestens genauso toll wie ich.Gut,daß uns niemand dabei bemerkt hat.Benny im Herbst 2007
Dadurch,daß sich Benny im Laufe der Zeit und durch unsere vielen Fototouren und Waldwanderungen an den Anblick und Geruch vieler Fährten gewöhnen konnte und ich ihm diese auch nicht vorenthalten habe, konnte ich mehr und mehr Erfolge verbuchen, wenn es hieß, ihn von unerlaubten Touren abzuhalten.Natürlich lernt kein Beagle nur durch ausgiebige Naturerkundungen,daß er an der Seite seines Menschen bleiben sollte.Den Ansatz für unbedingten Gehorsam legt man aber schon im Welpenalter fest. Wer es nicht schafft, den unheimlich niedlichen Beagleblicken zu widerstehen und versucht die Erziehung mit der unkontrollierten Abgabe von Leckerchen zu unterstützen, der wird es ungleich schwer haben, wenn die wahre Beaglenatur sich nach und nach entfaltet.Jeder kleine (unerlaubte) Ausflug ist ein Stück Erfolg und kaum ein Beagle läßt sich angesichts eines flüchtenden Hasen mit einem Stückchen Wurst bremsen.Dazu gehört viel Arbeit und das wohl ein Beagleleben lang. Man sollte lernen wie ein Beagle seine Umwelt betrachtet.Was interessiert meinen Beagle und was nicht? Zu welchen Leistungen ist mein Beagle fähig und wie komme ich zu ihm durch, wenn er etwas erspäht hat? Meist schalten die Beagleohren ab wenn was lohnenswertes in Sicht oder Nasenweite kommt und man kann sich die Seele aus dem Leib brüllen oder gemütlich ein Volkslied singen...alles umsonst, wenn man die Verbindung zu seinem Schlappohr abreissen läßt.

Dem aufmerksamen Blick eines Beagles entgeht keine Bewegung und ehe man sichs versieht beginnt die Verfolgung.Benny im Oktober 2010.
Einen Beagle als Nichtjäger zu erziehen ist eine Aufgabe auf Beaglelebenszeit und man entwickelt unweigerlich neue Sinne für das, was einen umgibt.Wenn man seinen Hund lesen kann und weiß wann er wie reagiert und was ihm egal ist oder aufregt, dann ist man ein gutes Stück weiter auf dem Weg in ein entspanntes Miteinander. Ich habe immer auf diese Sinne vertraut,aber vor allem habe ich Benny vertraut .Es nützt nichts, wenn man sich von den vielen Vorurteilen lenken läßt und nur drauf wartet,daß der Hund mal abdüst. Man solte sich vielmehr fragen, wie man sowas verhindern kann, ohne den Hund zu etwas zu zwingen. Man sollte dem Beagle viele Aufgaben geben, die zu seinem Naturell passen. Er wird nicht stundenlang neben einem hertrotten und auf etwas warten was von seinem Menschen kommt, dazu ist ein Beagle zu selbstständig. Spätestens der erwachsene Hund wird sich seine Beschäftigung selber suchen, wenn man nichts mit ihm gemeinsam tut. Hindert ihn eine Leine daran seinen Bewegungsdrang auszuleben, wird man mit der Zeit ein unausgelastetes Energiebündel an der Leine haben, der sich nicht führen läßt, sondern selber das Kommando über Richtung und Geschwindigkeit übernimmt.
Da ich am Anfang noch keine richtige Strategie hatte begann ich mit einfachen Tricks dafür zu sorgen,daß Benny sich auch in unübersichtlichen Waldgegenden frei bewegen konnte.Dabei half mir sein Verfolgertrieb und seine unermüdliche Nase.Ich leinte ihn oft nur ab, um kleine Suchspielchen mit ihm zu spielen,weil ich wußte,daß ihn in den Momenten nichts weiter interessierte, als das Suchen der jeweiligen Gegenstände oder Leckerchen
Video von Benny bei einem Suchspiel
Unser Fazit nach 6 Jahren...Ein Beagle ist nicht schwerer zu erziehen als jede andere Rasse,aber man muß Geduld haben und unheimlich viel Lust auf diese nicht immer leichte Arbeit am Hund und an sich selber.Nichts geht von alleine,aber wenn man sich bewußt für den Jagdhund Beagle mit all seinen starken Charakterzügen entscheidet, dann wird man über alle Maßen dafür belohnt.
Wichtig ist uns bei allem was wir tun,daß wir uns einig sind.Es funktioniert nicht wenn 2 Menschen den Beagle erziehen,die sich nicht einig darüber sind, wie der Erziehungsfahrplan aussehen soll.Der Beagle wird sich immer den mental schwächeren Partner suchen und, jeder noch so kleine Erziehungsfehler oder jede Gutmütigkeit wird gnadenlos (aber nie böswillig) ausgenutzt.
Januar 2012
Mit dem Wissen von 6 Jahren mit Benny und vielen Höhen,aber wenigen Tiefen, haben wir uns dazu entschlossen einmal unsere ganz persönliche Sichtweise zu Rassemerkmalen, Haltungsbedingungen und Erziehung aufzuzeigen. Das wird sich nicht in jedem Fall mit der Meinung vieler anderer Beagler decken, aber vielleicht findet der/die eine oder andere Leser/in sich und seine/ihre Erfahrungen und Meinungen hier wieder.